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Letzte Station Hoffnung - Tagebuch eines Griesgrams

Tagebuch eines Griesgrams 1 - 03.02.2019


Hallo, mein Name ist Balou und ich bin 10 Jahre alt. Ich hatte ein zufriedenes Leben..

bis vor kurzem...

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Seit ich denken kann, lebte ich bei meinem Herrchen. Ich wohnte in
einem Zwinger mit Garten und Herrchen war immer für mich da. Herrchen und ich gehörten zusammen. Er war alles für mich. Wir hatten noch ein weiteres Rudelmitglied, es war eine Frau, aber ihre Stellung im
Rudel war immer unter mir.
Sie hat mir ab und zu mein Futter gebracht, mehr war sie nicht für mich. Herrchen war mein Beschützer und ich seiner. Ich habe ihn immer verteidigt- Eines Tages kam Herrchen mit einem Metallkorb an und sagte zu mir- der ist zu deiner eigenen Sicherheit. Das war für mich in Ordnung, weil Herrchen sich um mich sorgte und nun trug ich immer bei den Gassigängen diesen Maulkorb zu meiner eigenen Sicherheit.  

Irgendwann kam die Zeit, dass Herrchen mich immer seltener besuchte
und plötzlich kam er gar nicht mehr. Ich war schrecklich traurig und
verunsichert. Die Frau kümmerte sich um mich. Sie war so furchtbar
schwach und weinte viel. Mir wurde klar, dass ich nun der Rudelführer
war. Eine große Verantwortung. Mein Revier musste gesichert werden,
ich musste auf die Frau aufpassen. Manchmal vergaß sie ihre Stellung, aber ich brauchte sie nur kurz verwarnen und ihr war wieder klar, wer hier das Sagen hat.
Herrchen fehlte mir schrecklich, aber er kam nicht zurück. Ich
fühlte mich sehr allein gelassen. Alles änderte sich. Es kamen fremde
Leute und die Frau war zu schwach, um unser Revier zu verteidigen. Es
war zum verrückt werden. Ich war sehr unzufrieden mit ihr.
Eines Tages kam die Frau mit 2 Fremden zu mir. Es war unfassbar.. so
eine Dreistigkeit. Als die Frau meine Zwingertür öffnete, bin ich
gleich an ihr vorbei und habe den beiden Fremden erstmal die Meinung
gesagt. Ich war so wütend und die Fremde hat geschrien. Plötzlich hatte sie meinen Metallkorb in der Hand. Ich war völlig überrascht. Für einen kurzen Moment hatte ich mein Herrchen vor meinen Augen und bevor ich mich versah, hatte die Fremde mir den Korb aufgesetzt.

Sie nahm mich an die Leine und ich musste in das Auto einsteigen.

Ich war völlig überfordert. Ich habe noch nie in einem fremden Auto gesessen. Viele fremde Gerüche nach anderen Hunden und Menschen, aber nichts vertrautes. Die Frau stand nur da und weinte. Sie war so schwach.

Wir fuhren sehr lange...

Tagebuch eines Griesgrams 2 - 04.02.2019


...ich war noch nie so lange im Auto. Ich spürte die Aufregung der Fremden. Menschenweibchen sind so schwach. Sie versuchte mich zu beruhigen, aber ich hatte einfach nur Angst. Alles war fremd und ich wusste nicht, was mit mir passiert.

Plötzlich fuhr das Auto langsamer und ich sah ein paar Bäume. Bäume waren gut. Herrchen und ich waren öfters im Wald spazieren. Dann hielt das Auto an und es wurde ganz still.

Ich war sehr angespannt, weil ich nicht wusste, was als nächstes kommt. Ein bisschen Sicherheit gab mir der Maulkorb. Dann wurde die Klappe geöffnet und die Fremde stand wieder vor mir. Neben ihr stand ein Mann und wieder ein Menschenweibchen. Ich habe sofort losgebellt, damit alle gleich Bescheid wussten, dass man mich nicht anfassen darf. Ich hatte wirklich Angst. Dann hat mich der Mann an die Leine genommen und irgendetwas sagte mir, dass ich ihm vertrauen kann. Er brachte mich in einen großen Auslauf, der viel größer als in meinem Zuhause war. Der Mann nahm mir den Maulkorb ab und ließ mich alleine.

Es waren viele Gerüche von anderen Hunden dort und ich sah mich vorsichtig um. Es war niemand da und langsam beruhigte ich mich. Durch das Gitter konnte ich eine Hündin sehen, die auf einer Wiese herumtollte. Ganz hinten war ein Wald. In einem Raum stand ein Napf mit Futter und Wasser und ein großes Hundekörbchen mit Decken. Ich war erschöpft, hungrig und müde. Langsam wurde es dunkel. Ich legte mich in das Körbchen. Ich war immer noch alleine. Es schien keine Gefahr zu bestehen, deshalb machte ich die Augen zu und spitzte die Ohren. Irgendwann schlief ich ein.

Tagebuch eines Griesgrams 3 - 05.02.2019


Es war recht früh und wurde gerade hell, als die anderen Hunde anfingen zu bellen. Ich hatte schlecht geschlafen. Es waren in der Nacht viele Geräusche, die ich nicht zuordnen konnte. Ich stand auf und lief in den Auslauf...

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Ein Menschenweibchen ließ einen schwarzen Hund in die Wiese. Der Hund schien zufrieden zu sein.
„Guten Morgen, Balou“, rief mir das Menschenweibchen zu. Ich quittierte ihren Gruß mit einem Brummen.
Dann ging sie wieder. Nach einiger Zeit kehrte sie zurück, der Schwarze wurde von der Wiese geholt und das hübsche kleine Hundemädchen vom Vortag wurde herausgelassen.
Alle waren ausgeglichen und ich hörte den Schwarzen nebenan sein Futter mampfen.
Zu mir kam sie nicht und das war auch gut so.
Seit ich denken kann, haben die Menschenweibchen Angst vor mir. Ich merkte schon früh, dass ein leichtes Knurren schon Unbehagen bei ihnen auslöst. Ich konnte ihre Angst riechen.
Also lernte ich, Knurren verleiht mir Macht. Herrchen fand das in Ordnung. Ein Hund muss aufpassen, hat er gesagt. Deshalb habe ich sofort geknurrt, wenn mir irgendetwas nicht passte und ich konnte mich so ganz einfach durchsetzen.
Wieder kam das Menschenweibchen und hatte einen fremden Hund dabei. Der Hund war groß, kräftig und hatte einen riesigen runden Kopf. Er wirkte sehr selbstbewusst. Sie gingen an mir vorbei und der Hund rannte auf die große Wiese, die genau gegenüber von mir lag. Das Menschenweibchen eilte wieder an mir vorbei.
Sie beachtete mein Brummen gar nicht. Nach einer Weile kam der große Hund zur Gittertür und setzte sich hin. Er wartete offenbar. Er saß mir genau gegenüber. Zwischen uns lag nur ein breiter Durchgang. Er starrte mich an. Unsympathisch.. er starrte mich unentwegt an, ließ den Blick nicht von mir und rührte sich nicht.
Ich knurrte- keine Reaktion.
Dann wurde er wieder abgeholt und lief abermals dem Menschenweibchen hinterher. Er gehorchte sogar. Ich war etwas überrascht. Irgendwie respektierte er sie, obwohl er es nicht nötig gehabt hätte.

Dann kam der Mann, den ich am Tag meiner Ankunft schon kennengelernt hatte. Er war nicht allein. Auch das Menschenweibchen, das ich am Tag meiner Ankunft gesehen hatte, war bei ihm. Sie sprachen mit mir und gaben mir leckere Dinge. Ich mochte ihn, sie knurrte ich an. Der Mann öffnete die Tür und ich lief an ihm vorbei in die große Wiese. Das Menschenweibchen kam mit dem hübschen Hundemädchen nach. Die Kleine freute sich, als sie mich erblickte und ich vergaß alles um mich herum. Sie war toll. Ich hatte bisher wenig Kontakt mit anderen Hunden. Bisher gab es nur mein Herrchen, mich und die schwache Frau. Auf unseren Gassigängen hatten wir ab und an ein paar Hundebegegnungen, aber nur von weitem.
Jeder, der uns sah, machte einen großen Bogen um uns.

Das Hundemädchen lief freudig auf das Menschenweibchen zu und ließ sich anfassen. Es schien ihr nicht unangenehm zu sein, ganz im Gegenteil, sie mochte es.
Mich hat nur mein Herrchen anfassen dürfen.
Kein anderer Mensch hätte es gewagt. Ich hätte es nicht geduldet.

Der zweite Tag steckte voller Überraschungen und neuen Eindrücken.
Etwas berührte mich heute und ich empfand es nicht als unangenehm.  Es war, dass ich an diesem Ort keine Angst riechen konnte.

Erschöpft von den vielen Erlebnissen schlief ich in dieser Nacht ganz tief.

Tagebuch eines Griesgrams 4 - 06.02.2019


Die folgenden Tage wurden zu einem gewohnten Ablauf. Ich durfte mit dem hübschen Hundemädchen in der Wiese laufen und wurde ignoriert. Ich knurrte beim rein und rauslassen, aber es ging keiner drauf ein...

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Es roch überhaupt nicht nach Angst. Sie beachteten mich einfach gar nicht. 

Ich fand es die ersten Tage durchaus notwendig, die Menschenweibchen immer wieder zu verwarnen, mich bloß nicht anzufassen...
Nachdem ich merkte, dass sie nichts von mir forderten, ließ ich es sein.
Mein Leben wurde richtig interessant. Zuhause war mir manchmal langweilig, aber hier gab es immer etwas zu sehen und ich lernte noch andere Hundedamen kennen. 

Sogar der schwarze Rüde war mir nicht unsympathisch.
Gestern ist eines der Menschenweibchen mit ihm in der Wiese gewesen. Sie hat immer etwas geworfen und der Schwarze ist hinterhergerannt.
Sowas kenne ich gar nicht.
Offenbar hatten sie Spaß. Sie kam dann zu mir und gab mir ein Stück Wurst. Das war sehr lecker.
Anschließend hat sie die Wurst geworfen und meine Freundin lief sofort los und fraß sie auf.
Ich habe mich gar nicht bewegt, weil mir nicht ganz klar war, warum sie mir die Wurst nicht direkt gibt.
Herrchen hat mich immer bellen lassen, wenn ich etwas haben wollte und das tat ich dann auch.
Dann hat sie die Wurst in mein Maul geworfen. Das hat mir sehr gefallen. Mittlerweile rufen die Menschen mich immer und wenn ich komme, geben sie mir etwas Leckeres.
Langsam fühle ich mich gar nicht so unwohl in meiner neuen Unterkunft. 

Tagebuch eines Griesgrams 5 - 07.02.2019


Heute kam das Menschenweibchen mit etwas ganz besonderem...

Sie setzte sich vor meine Tür und gab mir rohes Fleisch. Das war richtig lecker.
Dabei erzählte sie und erzählte.
Ich wusste zwar nicht was sie redete, aber mir gefiel der Ton ihrer Stimme.
Ob wohl alle Menschenweibchen so viel reden?
Ich bin jetzt wirklich neugierig geworden, diese entspannte Atmosphäre gab mir ein gutes Gefühl. 
Irgendwie denke ich das war es was mich gerade so ruhig gemacht hat.
Mir fällt es noch schwer, zu zeigen, dass mir das gefällt, aber irgendwie fühlte sich das gut an.
Ist mir auch irgendwie seltsam- da sitzt ein Menschenweibchen im Kalten und erzählt und erzählt...
Hallo? Hat sie keine Bange vor mir?
Das ehemalige Menschenweibchen roch nur nach Angst, so dass ich immer auf alles rundum aufpassen musste.
Irgendwie bin ich wirklich arg neugierig, aber wehe sie wagt es mich anzufassen, das werde ich mir definitiv nicht gefallen lassen.
Im Auslauf habe ich das Wort "bürsten" vernommen. Das Wort kenne ich, keiner darf das. Nicht einmal mein Herrchen durfte mich bürsten, zumindest nicht ab Rückenmitte nach hinten.
Na ja, hier sind sie alle entspannt, ich warte einfach einmal was auf mich zukommen wird.
Brummen kann ich dann ja immer noch.
Über 10 Jahre erfolgreich durch brummen Bescheid sagen, da können die hier noch so entspannt sein...

Tagebuch eines Griesgrams 6 - 08.02.2019


Heute war wieder das Menschenweibchen da und sie hat mit einem äußerst attraktiven Hundemädchen gespielt.

So ganz verstehe ich noch nicht warum sich alle Hunde hier fast überschlagen
wenn das Menschenweibchen vorbeikommt...

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...obwohl ich ja wirklich zugeben muss dass sie gar nicht sooo doof ist und Angst hat sie auch keine vor mir.
Das Hundemädchen heißt Nicki, jedenfalls wird sie so gerufen.
Ich verstehe immer noch nicht, was daran toll sein soll, hinter einem toten Gegenstand herzulaufen.
Aber die anderen finden es offenbar lustig.
Heute Nachmittag wollte mir ein Menschenweibchen, das ich noch nicht kannte, eine Kaustange geben.
Ich habe sie ausgespuckt und das Weibchen erstmal richtig deftig angeknurrt. 

Kann ich gut- wie ihr wisst habe ich viele Jahre Übung darin.
Als der Mann dann kam, hat er mir die Stange nochmal gegeben und ich habe sie ganz stolz in mein Hundebett getragen. Den Mann kann ich wirklich gut leiden, er strahlt Stärke aus. 

Tagebuch eines Griesgrams 7 - 10.02.2019


"Ich habe einen Blick aus Hundeaugen gesehen,
einen sich rasch verlierenden Ausdruck erstaunter Geringschätzung-
und ich bin überzeugt, dass Hunde im Grunde denken, Menschen seien verrückt."
(John Steinbeck)

Heute war ein ganz besonderer Tag. Das Menschenweibchen war wieder da. Wenn sie kommt, sagt sie immer- hallo, mein Freund-, dann geht sie zu meiner Tür und fragt- magst ein Lecker?

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Klar mag ich und sie hat immer Wurst dabei. Anschließend lässt sie mich auf die Wiese und fragt wieder- Lecker?-und ich bekomme meine Wurst.

Danach verlässt sie mich und geht zu den anderen Hunden.
So ist das Ritual.. jedes Mal.
Aber heute war ich nicht lange alleine.
Der Mann, den ich so mag, kam und in der Hand hielt er etwas, was ich nicht zuordnen konnte.
Er sprach mich in einem ruhigen Ton an, legte mir etwas um den Hals und öffnete das Tor zur Wiese.
Aber dieses Mal ging er nicht in Richtung Auslauf, sondern lief mit mir durch ein weiteres Tor. So langsam erinnerte ich mich an etwas, was ich schon so lange nicht mehr gemacht habe- Gassigehen. Das Menschenweibchen wartete schon vorne mit einem Hundemädchen und dann sind wir zusammen los. Ich war total aufgeregt. So viele Gerüche und ich durfte mir ganz viel Zeit lassen, um zu schnüffeln. Meine Nase war nur auf dem Boden. Es war richtig spannend. Ich habe es so genossen. Wir sind dann zum Wald gelaufen und das Menschenweibchen rief meinen Namen. Aber das interessierte mich gar nicht. Mein Name wurde schon so oft gerufen und ich habe gelernt ihn bei Bedarf zu ignorieren. Sie rief noch ein paar Mal, aber ich war gerade beschäftigt oder hatte keine Lust. Dann rief sie- Lecker- und ich konnte nicht widerstehen. Ich bin zu ihr geeilt und habe mir meine Wurst abgeholt, bevor die gierige Hündin sie sich schnappte. Es war ein wirklich schöner Spaziergang. Als wir zurück kamen, stand ein ziemlich großes Hundemädchen (Owtscharka) auf der Wiese. Sie war jung, schwerfällig und tollpatschig. Ich bin wirklich der Hundedamenwelt sehr zugetan, aber bei diesem Geschöpf war ich überfordert. Ihre Körpergröße, der riesige Kopf und der Gesichtsausdruck ließen mich erstarren und bevor ich zu dem Ungetüm in die Wiese gelassen wurde, habe ich sofort geknurrt.
Der Mann hat mich dann in meinen Auslauf gelassen.
Ich war wirklich froh das ich nichts bez. der riesigen Hündin selbst regeln musste, der Mann mich beschützt und in Sicherheit gebracht hat.
So ging für mich ein schöner Tag zu Ende.
Ganz ehrlich? Ich glaube ich hatte schon sehr lange nicht mehr so schöne und spannende Tage in meinem Leben...

In eigener Griesgram- Sache - 10.02.2019


Vielen Dank für all Ihre Anteilnahme am Schicksal unseres Gnadenhundes Balou.
Vielen Dank für Ihre lieben Gästebucheinträge, Ihren telefonischen Zuspruch und das Vertrauen in unsere Arbeit.
Das so viele Menschen hinter unseren Hunden/ unserem Verein stehen, gibt uns Kraft und macht uns sehr froh.
Das es Menschen gibt, die Ihr Tier nicht aufgeben- egal was mit dem DSH im Vorfeld passiert war, macht uns unheimlich Mut für die oft nicht einfachen Hunde die wir übernommen haben.
Dafür bedanken wir uns von ♥

Tagebuch eines Griesgrams 8 - 12.02.2019


Ich erinnere mich...

Ich habe immer in einem Zwinger gewohnt, das war für mich ok.
Anderes kannte ich nicht und mein Herrchen hat sich ja um mich gekümmert.
Oft gingen wir Gassi, oder ich durfte mit ihm im Garten sein.
Das Haus konnte ich sehen, wie es drinnen war, das weiß ich nicht.
Schon vor längerer Zeit wurde dann alles anders für mich.
Ich habe gespürt, dass es Herrchen nicht gut geht und er kam oft nicht mehr zu mir, manchmal sah ich ihn über längere Zeit gar nicht.
Dann hat mir die ängstliche Menschenfrau mein Essen gebracht.
Ich wollte gern wissen wie es meinem Herrchen geht, warum er nicht zu mir kommt- aber sie hat meine Sprache nicht verstehen können.
Einmal war Herrchen lange nicht zu sehen oder zu riechen.
Dann sah ich ihn wieder.
Er kam mit so einem Gestell auf die Terrasse und hat zu mir rüber gesehen.
Beinahe hätte ich ihn nicht erkannt. Er sah anders aus als sonst, er roch anders als sonst.
Ich habe ihn gerufen, aber er ist nicht gekommen.
Herrchen hat sich oft von weitem vergewissert, dass ich da bin.
Ich war seine Hoffnung. Wenn ich ihn verlassen hätte, wäre seine Hoffnung gestorben.
Das machte mich traurig. Ich wäre gerne bei ihm gewesen und hätte ihm gezeigt wie sehr er mir fehlt.
Gerne hätte ich ihn getröstet.
Eines Tages kam er auch nicht mehr auf die Terrasse.
Ich habe ihn nie wieder gesehen.
Dann hat mich ein fremdes Menschenweibchen weggeholt.
Ich wurde ihm einfach entrissen, ohne das ich mich verabschieden durfte.
Das machte mich unendlich traurig und auch wütend.
Ich wusste ja nicht das dies fremde Menschenweibchen von meinen Menschen beauftragt wurde.
Jetzt bin ich schon seit zwei Wochen nicht mehr Daheim.
Das Menschenweibchen hier hat mir gesagt das mein Herrchen nicht mehr bei mir sein kann, aber er hat sich für mich ein ganz tolles Zuhause gewünscht. Sie sagte das ich vergessen muss und mich auf Neues einlassen soll.
Ich muss einfach kompatibler werden, dann suchen sie für mich eine Gnadenstelle.
Dort darf ich dann als "Für-immer-DSHN-Hund" bleiben.
Keine Ahnung was sie meint, sie redet ja immer ziemlich viel mit mir...
Ist aber auch egal, sie wird schon wissen was sie sagt und sie hört sich auch immer so an als ob ich ihr- obwohl sie ja nur ein Menschenweibchen ist- zumindest ein wenig vertrauen kann.

Tagebuch eines Griesgrams 9 - 14.02.2019


Wenn mir vor ein paar Wochen jemand gesagt hätte, dass ich mich mal über ein Menschenweibchen freue, hätte ich ihn angeknurrt...

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Als das Menschenweibchen heute kam, stand ich schon wedelnd am Tor. Sie hat mir wieder meine Wurst gegeben und mich auf die Wiese gelassen. Aber dieses Mal ist sie nicht gegangen, sondern blieb noch bei mir.
Habe ich schon einmal erwähnt das ich ganz häufig viele Fragezeichen im Kopf habe?
So alles verstehe ich (noch) nicht was mit mir passiert.

Ich war gespannt, irgendetwas war anders. Sie ging zum Tor und rief mich. Neugierig bin ich zu ihr gelaufen. Sie hielt mir eine Wurst hin und legte mir dabei behutsam ein Halsband um.

Ich konnte es kaum erwarten, die Wiese zu verlassen. Ich liebe Gassi gehen. Wir sind dann den Feldweg hoch und anschließend in den Wald. Die Sonne schien und der Weg war voller Gerüche. Der Schwarze war vor kurzem hier langgelaufen und eine Hündin hatte ihn begleitet. Eine Rehspur kreuzte den Weg und dort war ein Hase langgehoppelt. Es gab so viele interessante Neuigkeiten zu erschnüffeln. Meine Nase arbeitete auf Hochtouren. Wie sehr habe ich das vermisst.

Dann liefen wir den Weg entlang, den ich immer von der Auslaufwiese sehe. Normalerweise bin ich derjenige, der am Zaun steht und den anderen Hunden bei ihren Spaziergängen zusieht, aber dieses Mal war ich auf der anderen Seite und das machte mich direkt stolz. Ich habe mich ganz groß aufgebaut, damit die anderen mich auch sehen. Wir liefen weiter und auf unserem Weg machte sich eine große Pfütze breit. Hatte ich schon erwähnt, dass ich keine nassen Pfoten mag? Offenbar hat das Menschenweibchen ein ähnliches Problem und wir machten beide einen großen Bogen um die Pfützen. Anschließend kamen wir zu einer Stelle, an der schon mehrere Rüden ihr vermeintliches Revier markiert hatten. Ich brauchte eine Weile, bis ich endlich die richtige Stelle gefunden hatte, um zu markieren. Immerhin wohne ich jetzt hier und das musste den anderen schon deutlich gemacht werden. Nächstes Mal werde ich die Stelle sicherheitshalber nochmal überprüfen. Als wir zurück kamen, habe ich noch eine Kaustange bekommen. 
Wieder war es ein schöner Tag für mich.

Tagebuch eines Griesgrams 10 - 16.02.2019


Ich freue mich ganz leise, aber ich warte auch darauf das alles wieder wird wie vorher...

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Ich bin noch misstrauisch. Gerade läuft es gut für mich und was, wenn plötzlich alles wieder vorbei ist? Ich sehe mich eingesperrt und alleine in meinem alten Zwinger. Die Frau hat mich gefüttert, aber Zuneigung habe ich nicht gespürt.

Es ist für mich keine Selbstverständlich jemandem zu vertrauen.

Ich habe nur mein Herrchen gehabt und wenig soziale Kontakte. Deshalb gehe ich lieber erst sehr misstrauisch auf fremde Menschen zu.

Wenn sich aber jemand die Zeit nimmt und versucht, mein Vertrauen in kleinen Schritten zu gewinnen, mag ich eigentlich die Anwesenheit des Menschen. Das ist mir mittlerweile klar geworden.

Wie ich damit umgehen werde, das weiß ich noch nicht.

Meine Seele hat schon so viele Dinge verkraften müssen...

Ich muss wirklich noch skeptisch bleiben...

 

 

 

 

 

 

Tagebuch eines Griesgrams 11 - 18.02.2019


Je länger ich hier bin, desto mehr habe ich das Gefühl, das ich angekommen bin.
Ich mag diese geregelten Abläufe. Sie geben mir wirklich viel Sicherheit.

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Mittlerweile habe ich einige Menschenweibchen hier kennengelernt und ich muss sagen, dass sie alle nett zu mir sind und mich auch ehrlich mögen. Ich kann riechen, ob hinter einer Fassade Angst steckt oder das Nette aufgesetzt ist.
Hier ist eine entspannte Atmosphäre.
Der Mann besucht mich regelmäßig. Er ist hier der Rudelführer.
Heute hat mich das Menschenweibchen wieder zum Gassigang abgeholt. Wir sind uns jetzt schon vertrauter und ich habe mich von ihr anleinen lassen. Unser Spaziergang führte wieder über den Feldweg in den Wald.
Ich habe wieder viel geschnüffelt, aber sobald das Menschenweibchen -Balou Lecker- gerufen hat, bin ich sofort zu ihr gelaufen.
Nur zur Info falls DU (irgendwann...) meine Gnadenpflegestelle werden möchtest: ich liebe Fleischwurst...
Wenn wir unterwegs sind, zieht sie nie an der Leine. Sie ruft kurz -hier lang- und geht in eine bestimmte Richtung. Da ich mich hier noch nicht so gut auskenne, folge ich ihr. Es läuft ziemlich entspannt zwischen uns.
Dann kamen wir wieder an meinem Markierungspunkt vorbei und ich konnte nochmal mein Revier bestätigen.
Ein Rüde hatte tatsächlich die Frechheit besessen, an meinen Stein zu pinkeln.
Nachdem ich ausgiebig mein Revier markiert hatte, haben wir uns auf den Rückweg gemacht und irgendwie habe ich mich gefreut, als ich das weiße Tor von weitem sah.
Es war ein schöner Spaziergang, aber jetzt war ich wieder Zuhause.

 

 
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