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Frohe Weihnachten - 18.12.2019


Liebe Mitglieder, Paten, Spender, Adoptanten und Sympathisanten unserer Schäferhunde,

unser DSH-Nothilfe Mitglied, die Buchautorin Diana Hausmann, hat uns auch in diesem Jahr wieder eine DSH- Weihnachtsgeschichte geschrieben ♥.
Mit <Lebkuchen für Mortimer> danken wir Ihnen und wünschen Ihnen allen  
Frohe und besinnliche Weihnachten
einen guten Rutsch in ein gesundes und friedvolles Jahr 2020
und viel Freude beim lesen...

Lebkuchen für Mortimer

Es ist die letzte Akte, die ich zu dem Namen Herbert P. Fink, einem etablierten und leider ehemaligen Kunden, in die Hand nehme. Herr Fink war bereits Kunde oder besser, sein Hund war schon dreizehn Jahre Patient in der Tierarztpraxis, als ich sie von meinem Vorgänger übernommen habe. Die Akte des Schäferhundes besteht lediglich aus zwei Seiten. Ihn hatte ich geimpft. Dann war er kurze Zeit später zur Behandlung seiner Verletzungen nach einem Zusammenstoß mit einem Auto bei mir. Die körperlichen Leiden hatte er überlebt. Die Trauer um seinen Lebensgefährten, ein gleichaltriger West Highland White Terrier, leider nicht. Alle folgenden Patientenakten, die ich zum Namen Herbert P. Fink angelegt habe, sind um einiges umfangreicher. Binnen der letzten 27 Jahre waren es vier Deutsche Schäferhunde. Und um den letzten von ihnen, Toby, geht es heute.

Toby kenne ich, seit er mir bei seiner erste Welpen-Impfung sein Frühstück sowohl vorne als auch hinten heraus präsentierte und es sich eine Sekunde später voller Begeisterung mit seinen verschmierten Pfoten und Fell auf unserer Couch im Pausenraum der Praxis ausbreitete. Er sah aus, wie ein in Matsch gefallener Wollknäuel, den man zum Trocknen neben die Heizung gelegt hat – nur mit einer sehr speziellen Duftnote. Seither liebt ihn unser komplettes Praxisteam.

Leider ist Tobys nervöser Magen nicht das einzige, weshalb er bei uns nahezu schon zum Inventar zählt. Eine recht stark ausgeprägte HD tut ihr Übriges. Der schwerwiegendste Schlag jedoch, traf den guten Toby im Februar dieses Jahres, als sein Herrchen in Folge eines Herzinfarktes verstarb. Seither lebt Toby bei Herberts Neffen Frank, kaum hundert Meter von seinem alten Zuhause entfernt. Toby hatte großes Glück, dass Frank ihn zu sich nehmen konnte. Die beiden kennen sich seit Toby zum ersten Mal die Hundeschnauze zum Schnüffeln in den Wind gestreckt hat.
Vor circa drei Wochen stand Frank mit Toby in meiner Praxis.

„Seit über einer Woche nimmt er kein Essen mehr an“, berichtete Frank. „Er trinkt zwar, aber auch das viel weniger als sonst.“

Toby wirkte schlapp und war sichtlich eingefallen. Doch jede erdenkliche Untersuchung blieb ohne Befund. Mittels Tropf und einer speziellen Aufbaunahrung hoffte ich, den guten Jungen wieder fit zu kriegen, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt war. Frank meldet sich täglich in unserer Praxis, um mitzuteilen, ob und falls ja, was und wie viel Toby gefressen hat. Binnen der letzten fünf Tage ist es die gleiche Nachricht.

„Ab und an schleift er sich zum Napf und schlappert etwas Wasser. Mehr nicht.“

Gestern Abend statte ich Toby nach der Sprechstunde einen Besuch zu Hause ab. Doch statt der freudigen Begrüßung, die ich sonst von dem Vierbeiner gewohnt bin, hatte er lediglich den Kopf angehoben und matt mit dem Schwanz gewedelt. Anschließend lag er wieder erschöpft auf seiner Decke zwischen Kamin und der Balkontür.

„Sein Lieblingsplatz“, erklärte Frank, während ich Toby untersuchte.

„Klar!“, versuchte ich ihn aufzuheitern. „Das würde mir auch gefallen! Warm und trocken, dazu ein herrlicher Ausblick auf den Dorfplatz.“

Zum wiederholten Mal war ich mit Frank alles durchgegangen, was sich vor Tobys einsetzender Essensverweigerung ereignet oder verändert haben könnte. Wir hatten alles Erdenkliche in Betracht gezogen und waren keinen Schritt weiter gekommen.

Heute ist Sonntag, der 22. Dezember und vierter Advent. Offiziell ist die Praxis bis einschließlich Neujahr geschlossen. Sämtliche Arbeiten für dieses Jahr sind abgeschlossen, dennoch sitze ich in meinem Behandlungszimmer am Schreibtisch. Irgendwie hatte ich gehofft, durch einige Telefonate mit Kollegen vielleicht einen Tipp zu erhalten. Etwas, das ich bei Toby womöglich übersehen habe! Gebracht hat es nichts. Nun hocke ich hier und habe die Akten sämtlicher Schäferhunde des alten Herberts vor mir ausgebreitet. Inzwischen bin ich jeden Eintrag durchgegangen. Bei der ältesten Kartei angekommen, versuche ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Tobys Zeit einfach gen Ende geht und er seinem alten Herrchen nun folgen wird. Die Eintragungen von Herberts erstem Besuch überfliege ich mehr, als dass ich sie wirklich lese. Damals hatten wir uns lange unterhalten und Herbert hatte mir alles über seinen Mortimer erzählt. Natürlich sind die Einträge bei neuen Patienten immer sehr ausführlich. In Mortimers Fall waren jedoch sowohl seine als auch die Eigenarten seines Herrchens auf Papier festgehalten worden. Mit einem Seufzen lehne ich mich im Stuhl zurück und will gerade die Akte zuschlagen, da fällt mein Augenmerk auf eine am Rand vermerkte Notiz.

„Lebkuchen für Mortimer“, entziffere ich meine verblasste Schrift.

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Wie erstarrt sitze ich da und blicke auf die seltsamen Worte.

„Das muss es sein!“, keuche ich und greife hastig zum Telefon. „Frank, seit wann steht der Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz?“

„Der wird immer in der Woche vorm ersten Advent aufgestellt. Warum?“

„Die Woche vorm ersten Advent“, wiederhole ich gedankenversunken, während ich nebenbei Tobys Eintragungen überfliege. „Das passt! - Hör zu, Frank! Dein Onkel hatte eine Besonderheit, mit denen er seinen Hunden die Weihnachtszeit im wahrsten Sinne des Wortes versüßt hat!“, erkläre ich aufgeregt. „Wenn im Dorf der große Weihnachtsbaum steht“, lese ich meinen ältesten Eintrag vor, „gibt es Lebkuchen für Mortimer!“

Herbert hatte seinen Hunden alljährlich zur selben Zeit ein Stück Lebkuchen als Lecker zum Frühstück gegeben.

„So wissen meine Jungs“, hatte Herbert erklärt, „dass die Zeit, in der der Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz steht, eine ganz besondere Zeit ist!“

Am nächsten Morgen erreicht mich eine Nachricht von Frank auf meinem Handy.

<Toby liebt Lebkuchen mit Zimt >

 

 
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