D E R D E U T S C H E S C H Ä F E R H U N D
- E I N G E B R A U C H S H U N D
Auch heute werden Schäferhunde oftmals nicht als Familienhunde wahrgenommen. Ihr Image ist und wird noch immer geprägt durch die Definition als Gebrauchshunde, die ausschließlich als Wachhunde, zur Zucht, im Dienst von Polizei, Militär und sonstigen Behörden oder als reine Sporthunde gehalten werden. Das Wort Gebrauchshund drückt Stellenwert der Hund gut aus: entfernt davon ein Kamerad, oder Familienmitglied zu sein, wird der Hund hauptsächlich gehalten, um seine Aufgaben zu erfüllen.
Z W I N G E R H A L T U N G
Kriterium der Haltungsform Gebrauchshund ist für mich die Zwingerhaltung, bei der den Hunden die Teilnahme am sozialen Leben ihres Halters versagt bleibt und sie oft sogar noch in „Einzelhaft“ gehalten werden.
Die Haltung der Hunde in Zwingern ist für Deutsche Schäferhunde besonders oft üblich, obwohl sich längst herumgesprochen haben und obwohl jeder noch so Unerfahrene erkennen sollte, dass diese Haltung nicht artgerecht ist. Auch wenn im Zwinger gehaltene Schäferhunde täglich für 2 Stunden herausgeholt werden, blieben sie damit ca. 22 Stunden, meist noch in Einzelhaltung, sich selbst überlassen. Was dies an verlorener Lebenszeit bei einer Lebenserwartung von ca. 12 Jahren bedeutet, kann man sich ausrechen: 11 verlorene Jahre.
Dabei mutet es doppelt grausam an, dass dem DSH als besonderes Rassemerkmal eine starke Menschenbezogenheit angezüchtet wurde, also leiden diese Hunde bei sozialer Isolierung besonders stark.
W A C H H U N D E
Der Deutsche Schäferhund gehört noch immer zu den Rassen, die besonders gerne als Wachhunde gebraucht werden.
Als Wachhunde gehaltene Hunde haben oft ein schweres Los. Unter sozialer Isolierung und Einsamkeit leidend, werden sie häufig auch Opfer von Vernachlässigung und sträflicher Unterversorgung.
Viele Wachhunde dürfen sich auf dem zu bewachenden Areal nicht frei bewegen, können also paradoxerweise im Fall eines Einbruches diesen gar nicht vereiteln.
Ihr Bellen bleibt häufig unbeachtet, da viele unter ihnen, um ihre Frustration und Energie wenigstens teilweise abzubauen, viel und oft bellen. Oft kann man ihre Verzweiflung heraushören.
Manche unter ihnen haben oft nicht einmal einen ausreichenden Wetterschutz zur Verfügung und sind somit geradezu prädestiniert, an Arthrose zu erkranken.
Im In- und Ausland tauchen immer wieder Hunde auf, in deren Hälse Ketten eingewachsen sind und/oder die sich in einem grauenhaften Zustand von Mangelernährung befinden und denen nicht immer Trinkwasser zur Verfügung steht.
Z U C H T H U N D E
Auch Hunde, die zur Zucht eingesetzt werden, haben oft ein hartes Leben, besonders wenn sie bei einem der zahlreichen professionellen Züchter mit vielen Zuchthunden, das Licht der Welt erblicken.
Unter starkem Leistungsdruck werden sie zur Prüfung geführt, um die Körung möglichst früh zu erlangen, damit sie schnell Profit einbringen.
Dann sitzen die Hündinnen ihre gebährfähigen Jahre in Zwingern ab und werden meist zwei mal pro Jahr gedeckt. Eine Altersbeschränkung für Zuchthündinnen durch den SV existiert nicht. Die Hündin einer Bekannten wurde noch im Alter von 9 Jahren gedeckt. Bedingt durch einen Mamma-Tumor und damit verbundene Schmerzen, hat sie ihren letzten Wurf tot gebissen. Erst dann wurde sie vorläufig frei gegeben. Bei der Kastration ausgedienter Zuchthündinnen kommen schmerzhafte und lebensgefährliche Gebärmuttervereiterungen zum Vorschein.
Auch die Rüden verbringen ihr Leben weitgehend hinter Gittern.
Welpen, die aus einem solchen Betrieb übernommen werden, sind oft nicht ausreichend auf den Menschen geprägt und haben viel zu wenig Umweltreize und Artgenossen kennen gelernt.
Wenn dies der Käufer nicht aktiv nachholt, kann dies für den Hund bedeuten, dass er unverträglich werden kann.
Der Rüde einer Freundin, der im Alter von 10 Monate von einem renommierten Züchter geholt wurde, fürchtete sich anfangs vor jedem Blatt, das vom Baum fiel, da er außer seinem Zwinger nichts kennen gelernt hatte. Er sollte ursprünglich zur Zucht eingesetzt werden, entwickelte sich dann aber nicht den Erwartungen entsprechend.
Die starke Inzucht von Hunden kann sich negativ auf den Gesundheitszustand auswirken.
Es gibt unbestritten beim Deutschen Schäferhund, wie auch bei anderen Hunderassen, rassespezifisch gehäuft auftretende Erkrankungen.
Hüftgelenksdysplasie, Ellbogendysplasie, Spondylose und Arthrose sind schmerzhafte Geißeln für die betroffenen Hunde. Trotz Bemühungen des offiziellen Rassezuchtverbandes zur Eindämmung von HD und ED, wird vom rassetypischen Standard der abfallenden Kruppe nicht abgewichen, was zumindest die Zahl der HD- Erkrankungen zurückgehen lassen könnte. Diese Zeilen klingen trocken, doch hinter jedem „Fall von HD“ steckt ein Hundeschicksal voll Schmerz und Leid.
Wer diese Praktiken nicht unterstützen möchte, sollte einen Hund aus dem Tierschutz, wählen, oder zumindest den Züchter einer gründlichen Prüfung unterziehen. Die erwachsenen Tiere sollten in der Familie leben dürfen und die nötigen Kenntnisse über Vermeidung von Erbkrankheiten sollten vorhanden sein.
D I E N S T H U N D E
Die Ausbildung eines Deutschen Schäferhundes zum Polizeihund war jahrzehntelang eine strenge Auslese. Hunde, die Härte nicht vertrugen oder versagten, wurden ausgemustert, z.T. eingeschläfert. Diese Hinweise habe ich vom Sohn eines ehemaligen Diensthundeausbilders und von anderen Personen erhalten.
Die Hunde dürfen aber bis zu ihrem natürlichen Tod in der Obhut ihres ehemaligen Führers z.T. auch in der Familie leben.
Ob die Arbeitsweise sich heute schon vielerorts an dem, in den letzten Jahren stark gewachsenen Wissen um Lernprozesse, Verhalten und Kommunikation von Hunden angepasst hat, vermag ich nicht zu beurteilen.
Schäferhunde wurden und werden vom Militär im Krieg und bei Sprengstoffkommandos eingesetzt und viele haben dabei ihr Leben verloren.
Die Bundeswehr versorgt heute ihre ausgemusterten Diensthunde bis an ihr natürliches Ende. Die Hunde werden gut gepflegt und NICHT getötet. Bundeswehreigene Hunde kommen auch nicht in die Vermittlung, da sie dort ihr Gnadenbrot erhalten.
M I S S B R A U C H I M H U N D E S P O R T
Deutsche Schäferhunde werden von manchen Hundesportlern, ehrgeizig geführt und streng bestraft, wenn sie „versagen“. Starkzwangmittel wie Elektroreizgeräte und Stachelwürger sind vielerorts noch üblich. Manche „Sportler“ spitzen die Stacheln des Würgers sogar noch an. Ich habe dies in einer Ortsgruppe selbst erlebt. Natürlich verhalten sich nicht alle so extrem und die Hunden sind oft begeistert dabei, doch es gibt ihn, den Missbrauch.
Die Interpretation der Körpersprache des Hundes gehört nicht zu den althergebrachten Trainingsmethoden und Lerninhalten. Der Einsatz von körpersprachlichen Signalen, die den Hunden das Training erleichtern würden, wird bei Prüfungen des VDH mit Punktabzug bestraft.
C H A N C E N I M H U N D E S P O R T
Der Hundesport sollte sich weiterentwickeln: die neuen Erkenntnisse über Lernen bei Hunden einbeziehen und auch körpersprachliche Signale vom Halter zulassen und Körpersprache des Hundes sollte zum Lerninhalt gehören.
Es gibt Vorstände und Hundesportler, die noch vom alten Schlag sind und die Zwingerhaltung geradezu verfechten, z.B. mit der Begründung, dass reizarm gehaltene Hunde bessere Leistungen zeigen.
Das sagt schon alles. Diese Leute sind noch vielerorts gegenwärtig und schaden unzähligen Hunden.
Engagierte junge Leute mit Hundewissen und Herz sollten Hundesport machen und die alten Zöpfe abschneiden.
Es liegt mir viel daran zu betonen, dass es mittlerweile viele verschiedene Hundesportarten gibt, in denen diese Tendenzen zum Teil sehr viel geringer sind und dass ich Hundesport generell, ganz besonders aber für junge Hunde, als exzellentes Mittel für Hund und Halter sehe, eine sichere Kommunikationsgrundlage aufzubauen und die Bindung zu festigen.
Der Hund kann Auslastung, Beschäftigung und Abwechslung erfahren und Spaß haben.
Eine tolle Sache für Hund und Halter.
D I S K U S S I O N S G R U N D L A G E
Dieser Text spiegelt meine persönliche Meinung und Erfahrungen wieder und kann als Diskussionsgrundlage betrachtet werden.
Dabei bitte ich zu beachten, dass hiermit nicht Züchter, Hundesportler und Diensthundeführer generell angegriffen werden sollen. Es gibt mit Sicherheit in jeder dieser Kategorien informierte und engagierte Menschen mit Hundeverstand und Herz, die sogar aktiv gegen Missstände vorgehen.
Doch mit Sicherheit wurde und wird vielen Schäferhunden durch die angesprochenen Formen einer an Missbrauch grenzenden Haltung, die ihnen die Erfüllung ihrer arteigenen Bedürfnisse versagt, zum Teil unsägliches Leid und ein Leben in Einsamkeit zugefügt.
Die primären, arteigenen Bedürfnisse eines Schäferhundes möchte ich dabei wie folgt definieren:
- regelmäßige und ausreichende Möglichkeit Hunger und Durst zu stillen...
- körperliche Unversehrtheit, medizinische Behandlung bei Erkrankung und Schmerz...
- Leben in sozialer Anbindung an einen/mehrere Sozialpartner, wobei Menschen und Hunde
vom Hund als Sozialpartner angesehen werden...
- ausreichende Möglichkeit zu Bewegung des Lauftieres Hund...
Birgit Zach
Deutscher Schäferhund Nothilfe e.V
Festnetz: 0711 / 230 35 52
e-mail: birgit@dshn.de
http://www.dsh-nothilfe.de