Corvaro,
ein kleiner Ort in den Bergen (1400m) zwischen Rom und Ancona / Italien.
Das ist Lukas, als ich ihn im April 2008 das erste Mal gesehen habe. Er ist 7 Jahre alt, er ist seit ca. 6,5 Jahren mit einer 2 m kurzen Kette an die Mauer am Ende eines Grundstücks angekettet. An der dieser Mauer hängt ein ca. 1,5m langes Metallband an der die Kette befestigt ist. Lukas kann nur an diesem Band in einem Bereich von 2 Metern hin und her laufen … seit über 6 Jahren.

Das ist Lukas´s „Lebensraum“ und seine Nahrung. Als Futter erhält er Essenreste, es wird ihm einfach auf den Boden geworfen
Links im Bild, die verrostete Tonne ist seine Behausung, die gelbe Tonne sein Trinkbehälter.
Das ist Lukas im August 2008.
Das ist wieder sein Bereich. Lukas muss in seinen eigenen Fäkalien leben. Bei diesen Wetterbedingungen ist es verschlammt und der Boden vermischt sich komplett mit seinem Kot und Urin.
Lukas Anfang Dezember, als er mich im Fenster meines Lkw´s sieht…. Ich habe seine Hundehütte hinten im Auflieger….und er weiß es !
Lukas vor seiner Hundehütte!
Der Bereich in dem er leben muss, ist abschüssig, bei Regen war seine Tonne immer im Nassen. Die Hütte haben wir im oberen Bereich aufgestellt, sodass er wirklich im Trockenen schlafen kann und im Sommer endlich etwas Schutz vor der Sonne hat.
Vor lauter Freude, dass es um IHN geht und ER etwas bekommen hat, begann Lukas mit einem vergammelten Eimer zu spielen und brachte ihn mir zur Mauer. Seine Hütte steht nun zwar etwas weiter oberhalb, aber Lukas hielt sich anfänglich noch weiter in dem ihm vertrauten schlammigen Bereich auf.
Das ist Louis. Er ist 8 Jahre alt und lebt seit ca. 7 Jahren an einer ca. 1,5 m kurzen Kette, an der gleichen verdammten Mauer, auf dem gleichen Grundstück wie Lukas.
Das ist der Lebensbereich von Louis.
Auf dem Foto kann man nur erahnen, wie ausgemergelt er ist.

Louis hat zwar eine Hütte, aber ohne Boden, weiterhin fehlten an der kleinen Außenwand seiner Hütte ein paar Latten. Ich habe später bei Ikea zufälligerweise ein Zelt für Hunde entdeckt, dass in seine Hütte passte und ein dickes Hundekissen.
Als Boden eine Holzplatte mit einer Pappe drauf, darauf das Zelt, darein das Kissen, über alles die Hütte
Nachdem ich mit dem Mann gesprochen hatte, durfte ich zu den Hunden aufs Grundstück (war wegen der Hütte ohnehin notwendig).
Klein Louis konnte es gar nicht fassen, als ich ihn liebevoll streichelte und mit ihm sprach.
Es ist mir nicht möglich die richtigen Worte zu finden, für das was Louis mit seinem Blick und seinen Augen zum Ausdruck bringt: Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Nichtverstehen warum er sich nicht bewegen darf, Nichtverstehen warum er NICHTS wert zu sein scheint, Dankbarkeit für die kurze Zuwendung von mir, flehendes Bitten für ein Ende .......
Mit den Hunden wird weder gesprochen, noch ein Blickes gewürdigt. Sie vegetieren ohne jegliche Ansprache oder den kleinsten sozialen Kontakt an dieser verdammten Mauer vor sich hin. Louis leidet wirklich sehr unter diesen Lebensbedingungen, er hat den Schwanz immer eingeklemmt!
Im Hintergrund bei Louis Hütte ist ein kleiner dunkler Hund zu sehen. Die Hündin gehört der Tochter des Mannes und ich konnte der Hündin die absolute Vorsicht anmerken, mit der sie sich bewegt.
Sie darf frei laufen und kommt auch mit ins Haus. Die kleine Hündin weiß ganz genau, was abgeht und ist TOTAL darauf bedacht, bloß keinen Fehler zumachen, da ihr dann das gleiche Schicksal widerfahren würde, wie das ihrer beiden Kollegen - ein Leben lang als Gefangene an einer Kette.
Ich persönlich vermute, dass die Tochter erst Louis als kleinen süßen Welpen bekam. Als er erwachsen und eigensinnig wurde, kam er an die Kette. Danach kam Lukas als kleiner süßer Wuschelwelpe, als er groß wurde, kam er an die Kette. Als Nächste ist dann die kleine Hündin dran.
Dieses Pferd besaß der Mann noch im April, jetzt im Dezember hatte er ein Neues.

Der Mann hat auch 6 Katzen, vier Perser, denen man aufgrund des langen Felles nicht ansieht, dass sie total mager sind und 2 Kitten, die ganz dünn sind.
Der dunkle Fleck unter dem linken Auge ist Schorf.
Ich habe mit dem Besitzer der Tiere nur wenig „reden“ können. Er spricht ausschließlich Italienisch und ich leider nicht. Wir konnten uns etwas verständigen. Ich war dankbar, dass er die Hütten angenommen hat und mich die Tiere füttern lies.
Little Bitti ist vermutlich tot. Er lebte bei einer Familie, deren Grundstück nicht eingezäunt ist und in der Nähe einer Landstraße liegt. Da Bitti frei laufen konnte und seit Mitte September vermisst wird, ist davon aus zu gehen, dass er über fahren wurde.
(Ich wünsche dir, dass du jetzt deinen Freund gefunden hast und ihr die Freiheit gemeinsam genießen und spielen könnt.)
Die Setter eines Hobbyjägers waren nicht mehr ganz so dürre, wie im August, auch war der Allgemeinzustand der Hunde etwas besser und das Fell nicht mehr völlig verfilzt. Aber die Zwinger sind zu geschissen und die Halsbänder der Hunde so eng, dass sie beim Schlucken meist husten müssen. Und er hat einen vierten Setter dazu genommen.
Ich habe mit dem Jäger wegen der Halsbänder gesprochen (Kettenglieder, die ich nicht öffnen konnte)…..
Ich habe hier noch mal ein paar „Gärten“ aufgenommen. Aus solchen Verschlägen habe ich während der Fahrt mit offenem Fenster Hunde bellen hören. Auch bei „Spaziergängen“ habe ich Hunde gehört, wo man niemals ein Tier vermuten würde. Ich bin überzeugt, dass es in Italien ´zig Hunde und Tiere generell gibt, die niemals das Sonnenlicht sehen.
Nachdem ich an der Autobahn eine junge Hündin fand, die erst vor kurzem gestorben sein konnte, habe ich keine weiteren Fotos mehr machen können.
Die Hündin war an der Autobahn angefahren worden und hatte sich noch eine Böschung hoch geschleppt….. dort habe ich sie gefunden … im strömenden Regen … kurz vorher gestorben, bevor ich sie im Augenwinkel sehen und anhalten konnte. Sie hat dort länger gelegen und um ihr Leben gekämpft, die Spuren waren eindeutig. Ich bin nur ganz knapp zu spät gekommen.......
Mein Gefühl der Hilflosigkeit und der Ohnmacht war danach zu groß, als das ich alles weiter bildlich festhalten und dokumentieren konnte.....
Auch wenn ich vieles nicht mehr bildlich fest gehalten habe, vermitteln die Fotos einen Eindruck, wie sehr die Hunde in Italien teilweise leiden müssen. Viele müssen draußen leben, ohne ausreichende Ernährung - der Winter ist in Italien voll präsent mit Minusgraden weit unter Null.
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